Wohin in Vorarlberg

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"Scivias"

Wann:

  • Sa 16. Mär – Sa 4. Mai, 11:00

Wo:

Galerie Lisi Hämmerle, Anton-Schneiderstraße 4a, Bregenz Landkarte anzeigen

Altersbeschränkung:

Alle Altersklassen

Der Titel der Ausstellung „Scivias“ geht auf die lateinische Redewendung „Sci vias“ zurück und bedeutet so viel wie „Wisse die Wege“ (des Herrn). Er verweist aber vor allem auf den Titel des gleichnamigen mittelalterlichen prophetischen Buches der deutschen Mystikerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179). „Scivias“
Das Visionäre in der Kunst
Valentina D’Amaro, Debora Hirsch und Devis Venturelli beziehen sich mit ihrer Ausstellung nicht von ungefähr auf diese „Visionsliteratur“. Denn sie wollen im Rahmen dieses Projektes der Frage nachgehen, inwieweit bei der Erforschung und Interpretation der Realität durch Kunst metaphysische Implikationen zum Tragen kommen. Denn künstlerische Prozesse folgen ihrer Ansicht nach nicht nur der Vernunft und konzeptionellen Denkstrukturen, sondern diese werden immer wieder von intuitiven und wenn man so will visionären Einflüssen überlagert.
Nach Ansicht der drei Kunstschaffenden soll "Scivias" ein Experiment darstellen, bei dem die „instabilen Grenzen zwischen Intuition, unmittelbarem Wissen und Wissenschaft“ ausgelotet werden. Die intuitive Herausforderung, die hinter der Malerei und dem Film, respektive dem Malen und Bewegen von Bildern stünde, sei im Wesentlichen nur schwer fassbar. Im künstlerischen Akt werde die Dynamik von Materie gleichsam zu Energie transformiert. In dieser Umsetzung werde eine Welt enthüllt, die jenseits der rationalen Sinne verborgen liege und in der alles vibrierend miteinander verbunden sei, so die drei Kunstschaffenden.
So zielt etwa Valentina D'Amaro mit ihren giftgrünen Landschaften, die von allem beschreibenden und erzählenden Beiwerk befreit und entleert sind, auf die Essenz der Dinge ab. In ihrer unendlichen Einsamkeit, die diese Ölbilder ausstrahlen, erinnern sie mitunter an Werke des deutschen Romantikers Caspar David Friedrich, in ihrem melancholischen Grundton an Edward Hopper. Fast könnte man sagen, dass vom Tempo, der Geduld und Ausdauer des Verweilens beim Einzelnen, Wahrheit selber abhängt.“ (Theodor W. Adorno: Minima Moralia) In ihrer Art der Erforschung künstlerischer Wege und Möglichkeiten versucht sie, Logik und Erfahrung zu umgehen und das konzeptionell Kalkulierte hinter sich zu lassen. D'Amaro Intention ist es folglich, die Schichten jenseits von Narration und Rationalität freizulegen und der Intuition Tür und Tor zu öffnen. Das verleiht ihrem Werk einen unvergleichlich atmosphärischen Impetus und lässt dem Unerwarteten einen unbegrenzten Freiraum. Das Archetypische, ja fast Plakative, dass den eindringlichen Landschaftsbildern der Italienerin anhaftet, grenzt an fiktionale Vorstellungen und Visionen.
Die im brasilianischen São Paulo geborene Künstlerin Debora Hirsch will mit ihrem Zyklus „Firmamento“ gleichsam die Komplexität der Wirklichkeit rekonstruieren. Ihren unzähligen Referenzen und inhaltlichen Verschränkungen, die in den Werken spürbar werden, geht eine überaus kritische und penible Untersuchung scheinbar unzusammenhängender Welten und Situationen voran. Ihre künstlerischen Elaborate sind das Ergebnis exakt geplanter Überlegungen, für deren Umsetzung sie sich zum Beispiel auf dekontextualisierte Architekturdetails und wissenschaftliche Darstellungen genauso abstützt, wie auf historische und digitale Kolonialismuseindrücke, eigenhändige, automatisierte Muster, die an die Strukturen von Mikrokosmen erinnern, oder symbolisch-dekorative Elemente sowie Artefakte, die sie aus der digitalen Sprache herausfiltert und entschlüsselt.
Der 1974 in Faenza geborene Künstler Devis Venturelli kommt ursprünglich von der Architektur. Aus seinem Projekt "Sculpt the Motion", zeigt Venturelli Skulpturen. Übergestülpte und durch Laufen und Gehen in Bewegung versetzte silbrige Schichten aus Isoliermaterial gerinnen zu mobilen Skulpturen, die an Boccionis Dinamismo Futurista erinnern. Der Kontrast zwischen starrer Architektur und fliessender Form lässt immer wieder reale Visionen entstehen, die sich auf das Konzept der "urbanen Ekstase" beziehen, - die Grundlage von Venturellis Forschung.
Karlheinz Pichler – Kulturpublizist
in der Zeitschrift Kultur

Dauer: bis 4. 5. 2019. Öffnungszeiten: Mi. - Fr. 15 - 19 Uhr, Sas. 11 - 14 Uhr

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